Lyrik

Aus „So gern ich Wien hab – an sich“

für marion

über die verhaue
aus stacheldraht
und starrer missgunst
räuberleitern bauen
lachend
der eigenen trauer

wie komisch
sind doch wir tüchtigen

Aus: Die 12 Monate nach „Frühling und Herbst des Lü Bu Wei“
der mittlere herbstmonat – dschung tsiu gi

füll deine lager
überprüfe die warmen gewänder
dies ist der monat des sammelns

schmück die bauten der städte
und lass den handel erblühen
eiche die maße

lenke die anvertrauten
und trag für die schwachen sorge

Drei Haiku zum Thema „Schritte“

über meinem kopf
hin und her schon seit stunden
das klingt nach sorgen

klappern und schlurfen
der nachbar hat besuch
von seiner enkelin

hundespur zum zaun
wen hat er wohl heut begrüßt
in diesem schneematsch?

Aus: Efeublüten. Gedichte über die Liebe

wir bauten ein luftschloss
doch der wind hat es fortgeblasen
ratlos steh ich
auf der anderen seite
und kann den pfad nicht finden
weil es keinen gibt

wir rufen einander nicht
wozu
jeder geht seines weges

Seegasse
Eine Anagrammgeschichte

Des Sees Sage:

Sag es, See!
S. E.’s Saege am Bankerl:
Gesaesse rutschen,
man riecht Esse-Gase.

liebesgedicht für reifere semester

du geesdma unta de haud
wiara schrittmocha
dreibsdma mei heaz umanaund
bumbum
  bumbum
    bumbum

Aus: goatnhaiku

karottn kauf i
bein billa – unsre hod da
föödhamsta gfressn

Aus: Primzahlverse

der alte schreibtisch
verschrammt und tintenfleckig
darauf ein laptop

die kalte nachtluft
treibt den zigarettenmief
zum fenster hinaus